Wie aus alten Textilien wertvolle Rohstoffe werden: Syntetica und Michelin treiben industrielles Nylon-Recycling voran
Syntetica, ein innovatives europäisches Deeptech-Startup, und das Zentrum für nachhaltige Materialien (CMD) im Michelin Innovation Park Cataroux in Clermont-Ferrand haben eine Zusammenarbeit vereinbart, um das Recycling von Nylon zu industrialisieren. Ziel ist es, eine Kreislaufwirtschaft für den wertvollen Sekundärrohstoff zu etablieren. Recyceltes, hochreines Nylon soll künftig für die Textil- und die Automobilindustrie sowie andere industrielle Anwendungen verfügbar werden.
Herausforderung Textilrecycling
Die globale Textilindustrie steht vor einer großen ökologischen Herausforderung: Weniger als ein Prozent der produzierten Materialien werden derzeit recycelt. Grund ist, dass die meisten der heutigen Kleidungsstücke und Textilien aus synthetischen Mischfasern gefertigt sind. Diese sind mit herkömmlichen Methoden entweder nur schwer oder überhaupt nicht recycelbar. Das Startup Syntetica hat zur Lösung dieses Problems ein patentiertes chemisches Niedrigtemperaturverfahren entwickelt, D. Das Verfahren ist geeignet, aus dem Rezyklat hochreines Nylon 6 und Nylon 6,6 zur industriellen Weiterverarbeitung herzustellen. Nylon 6 und 6,6 sind die gängigsten Nylon-Varianten, die in vielen Anwendungen zum Einsatz kommen, beispielsweise für Spritzgussteile oder für hochbelastbare Maschinenelemente.
Auf dem Weg zur Industrialisierung
Das im CMD von Michelin in Clermont-Ferrand angesiedelte Pilotprojekt wird in seiner Anfangsphase mehrere Tonnen Textilien recyceln. Ziel ist die schrittweise Steigerung auf industrielle Mengen für eine größere Demonstrationsanlage, die 2027 in Betrieb gehen soll. Die Zusammenarbeit der beiden Partner vereint das Know-how von Michelin – seit über 130 Jahren anerkannter Akteur in der Materialwissenschaft – mit dem neuartigen chemischen Recyclingverfahren von Syntetica. Mit der industriellen Infrastruktur, den technischen Teams und der operativen Exzellenz des Michelin Innovation Park wird auf diese Weise eine Laborinnovation in eine robuste und reproduzierbare industrielle Lösung überführt.
Kreislaufwirtschaft mit Ziel Nachhaltigkeit
Die Zusammenarbeit beruht auf einer gemeinsamen Überzeugung beider Partner: Industrieunternehmen spielen eine Schlüsselrolle für einen verantwortungsvolleren Umgang mit den Ressourcen unseres Planeten. Regulatorischer Kontext des gemeinsamen Projekts sind die in Europa seit 2025 verpflichtende getrennte Sammlung von Textilien und die steigenden Anforderungen an den Recyclinganteil ab dem Jahr 2027.
Die Pilotanlage im CMD ist nur der erste Schritt eines umfassenderen Vorhabens der Green-Chemistry-Plattform von Syntetica: Das Unternehmen möchte Recycling-Lösungen auch für andere Polymere entwickeln und so den Weg für eine neue Generation kreislaufwirtschaftlicher Industrielösungen ebnen.
Die Einrichtung unserer Pilotanlage im Centre des Matériaux Durables ist ein entscheidender Meilenstein für Syntetica. Das industrielle Know-how und die operative Exzellenz von Michelin sind wichtige Hebel, um unsere Technologie zur industriellen Reife zu bringen.
Das CMD wurde gegründet, um exakt solche bahnbrechenden Technologien auf dem Weg zur industriellen Produktion zu begleiten. Die Zusammenarbeit mit Syntetica verdeutlicht, wie Michelin industrielle Erfahrung in den Dienst konkreter Lösungen stellt und seinen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft für Materialien leistet.