Das schlanke Schwarze für die Elektromobilität
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Das schlanke Schwarze für die Elektromobilität

Unverändert in elegantes Schwarz gekleidet, aber schlank und hoch gewachsen sowie im Auftritt nur diskret flüsternd: Ebenso wie das Elektroauto den Wendepunkt der Mobilität im 21. Jahrhundert markiert, erleben auch die Reifen für die Stromer einen revolutionären Wandel.   

Ein Plus von 75,5 Prozent in 2019 gegenüber dem Vorjahr und den Marktanteil fast verdoppelt: Das Elektroauto mag in Deutschland mit knapp zwei Prozent Anteil an den Zulassungen immer noch eine Randerscheinung sein. Ebenso deutlich zeigen die Zahlen aber auch, dass der Trend steil nach oben weist – nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa, den USA und den starken Industrienationen Asiens wie etwa China. Die Verkehrswende hin zur Elektromobilität ist weltweit voll im Gange, statt nach PS jagen die Automobilhersteller jetzt nach Reichweite.

 

Neue Herausforderungen

Doch Reichweite ist bei Elektroautos gleichbedeutend mit Gewicht. Als Faustformel gilt: Jeder Kilometer mehr, erhöht das Gewicht der modernen Lithium-Ion-Akkus um rund ein Kilogramm. Das heißt, dass 500 Kilometer ohne Ladestopp rund eine halbe Tonne Batteriepower erfordern. Reichlich Kilos und ein Grund dafür, warum die Automobilhersteller bei der Fahrzeugentwicklung heute noch enger mit Reifenherstellern wie Michelin zusammenarbeiten als bisher. Die Herausforderung lautet zum einen, Reifen mit deutlich mehr Traglast zu entwickeln. Dies wird unter anderem durch eine speziell verstärkte Karkasse erreicht. Zum anderen müssen die Reifen auch deutlich höheren Beschleunigungskräften standhalten: Elektroautos lassen auf Grund ihrer unmittelbaren Leistungsentfaltung selbst High-Performance-Sportwagen beim Ampelstart stehen. Die Reifen müssen also deutlich mehr Drehmoment unmittelbar auf den Asphalt bringen. Anderseits sind beim batteriebetriebenen Fahrzeug deutlich seltener Vollbremsungen erforderlich, denn sobald der Fahrer vom Fahrpedal geht, wird der E-Motor zum Generator und „rekuperiert“ – sprich: wandelt Bewegungsenergie in Strom, der wieder in die Batterie eingespeist wird. Dabei verzögert das Fahrzeug automatisch. Normale Reifen würden bei diesem Anforderungsprofil deutlich höheren Verschleiß aufweisen.

 

Schlanker Chic

Wandel gibt es aber auch beim Reifenformat: „Tall and narrow“ heißt die Lösung, also schmale und dennoch großdimensionierte Reifen, die einen niedrigeren aerodynamischen Luftwiderstand bieten und obendrein den Rollwiderstand verringern. Selbst bei kleinsten Details haben die Michelin Ingenieure noch Möglichkeiten gefunden, den Reifen „windschnittiger“ zu gestalten: So werden sogar die Reifenflanken und die seitlichen Markierungen mit Blick auf die Aerodynamik konzipiert und dürfen im Windkanal keinen zusätzlichen Luftwiderstand erzeugen.

Michelin ist besonders früh in die Entwicklung von Reifen für Elektrofahrzeuge eingestiegen und hat schon 2012 für eines der ersten Großserienelektrofahrzeuge am Markt, die Kompaktlimousine Renault ZOE, den MICHELIN Energy E-V vorgestellt. Speziell auf die Elektroautocharakteristik abgestimmt, bietet er dank seiner besonderen Gummimischung und der Profilgestaltung einen besonders niedrigen Rollwiderstand, was gleichbedeutend mit mehr Reichweite ist. Denn je weniger Energie in Form von Reibung auf dem Asphalt verpufft, desto mehr Kilometer kann das Auto zurücklegen.

 

Luxuriös lautlos

Über die reine Fahrperformance hinaus greifen die Ansprüche an Reifen für Elektroautos aber noch weiter. Denn neben Rollwiderstand, Traglast und Dimension steht auch die Geräuschentwicklung im Fokus der Reifenentwickler. Schließlich soll die angenehme Ruhe des besonders geräuscharmen Antriebs nicht durch übermäßige Rollgeräusche beeinträchtigt werden.

Reifengeräusche nimmt der Fahrer im Elektroauto besonders intensiv wahr, da die Stromer auf die Lärmkulisse eines Verbrenners verzichten. Logische Folge: Die Bereifung für E-Fahrzeuge muss besonders leise über den Asphalt rollen. Deshalb entwickelt Michelin in enger Zusammenarbeit mit den Automobilherstellern Technologien, um den Geräuschpegel deutlich zu reduzieren. Ein Beispiel ist die Michelin „Acoustic“-Technologie: Ein Schaumstoffeinsatz im Reifen „schluckt“ die Vibrationen effizient und steigert damit erheblich den Geräuschkomfort im Innenraum des Fahrzeuges. Darüber hinaus lässt sich durch ein spezielles Profil-Design das Abrollgeräusch des Reifens weiter reduzieren. Ziel von Michelin ist es, gemeinsam mit den Automobilherstellern die zukünftigen europäischen Vorgaben zur Geräuschreduzierung bis 2024 umzusetzen.