search
50 Jahre MICHELIN PLR „Mille Pattes“: das etwas andere Testgerät für Lkw-Reifen
print mail share
close
placeholder-image
west Alle Artikel
print mail share
close

50 Jahre MICHELIN PLR „Mille Pattes“: das etwas andere Testgerät für Lkw-Reifen

29.08.2022
  • Höchstgeschwindigkeitstests mit zwei Motoren und auf zehn Rädern
  • Extra lang, extra breit, extra stark und schwer

Was macht man mit einem Neun-Tonnen-Fahrzeug mit zehn Rädern und zwei starken V8-Motoren? Klar, Reifen testen unter Extrembedingungen. In den frühen 1970er Jahren wurden Autos und Lkw immer schneller und leistungsfähiger. Michelin musste daher seine Reifen an die neuen Leistungsanforderungen anpassen – und natürlich vor der Produktion erproben. So entstand 1972 der „Mille Pattes“ (Tausendfüßler), um neue Lkw- und auch Bus-Reifen bei Höchstgeschwindigkeit zu testen. Weil Michelin damals Anteilseigner von Citroën war, entstand das Testfahrzeug auf Basis eines Citroën DS Kombi.

Im Heck des „Mille Pattes“ saßen zwei V8-Chevrolet-Motoren mit je 5,7 Liter Hubraum und 250 PS. Der eine Motor war für den Antrieb des Testfahrzeugs zuständig, der andere für einen zusätzlichen Antrieb für den in der Mitte des Fahrzeugs angebrachten Testreifen. Dieser war auf einem Schwingarm montiert und konnte bei der Testfahrt hydraulisch abgesenkt und in verschiedenen Winkeln eingestellt werden. So konnten die Ingenieure nicht nur die Geschwindigkeit und das Bremsen, sondern auch die Belastung und die Drift des zentralen Rads anpassen, um den Reifen unter allen möglichen Bedingungen zu testen. Über den Hydraulikzylinder wurden Lasten von bis zu 3.500 Kilogramm auf das Rad aufgebracht. Sensoren zeichneten Daten auf, die dann im Labor analysiert wurden. In den frühen 1980er Jahren wurde der „Mille Pattes“ durch andere Testgeräte ersetzt – bis heute ist er allerdings eine Ikone der Michelin Innovation. Heute steht der Tausendfüßler im Michelin Museum in Clermont-Ferrand.

Technische Daten des "Mille pattes"

Motoren: Zwei im Heck positionierte Chevrolet V8-Motoren (5,7 Liter) mit jeweils 250 PS bei 4.800 1/min. Motorkühlung über zwei Kühler mit 14 Litern Fassungsvermögen und vier Ventilatoren

Abmessungen: Länge: 7,27 Meter, Breite: 2,45 Meter, Höhe: 1,56 Meter, Bodenfreiheit: 0,21 Meter

Gewicht: 9.150 Kilogramm mit Ausstattung

Leistung: Höchstgeschwindigkeit 180 km/h, Geschwindigkeit auf der Teststrecke: 155 km/h

Kraftübertragung: Heckantrieb mit drei Hinterachsen aus dem Peugeot 504. GM-Automatikgetriebe mit drei Schaltstufen, Übersetzungsgetriebe aus Michelin Eigenfabrikation

Karosserie: Verstrebte und verschweißte Längsprofile in U-Form (240x80), Chassis, Karosserieaufbau und Türen aus Blech, bewegliche Seitenkarosserieteile, Kühlerhaube aus Aluminium, alle Verbindungen geschweißt

Federung: Einzelradaufhängung, Hydropneumatik mit einer Federkugel und einem Zylinder pro Rad sowie vier Federkugeln für das zentrale Testrad

Lenkung: Servolenkung vom Typ DS mit doppelten Querlenkern

Bremsen: Scheibenbremsen und Bremssättel vom Citroen DS sowie Trommelbremsen und Radnaben vom Typ Citroen HY

Reifen: 205/55 R 16 auf allen zehn Rädern vom Typ HY (Reifendruck vorne/hinten: 2,8/3,0 bar), zentraler Testreifen in unterschiedlichen Dimensionen von 8 R 22.5 bis 12 R 22.5

Herstellungsjahr: 1972, Einzelexemplar ohne Zulassung

Media Kit

print mail share
close

Ansprech­partner