Von Kaltgriff bis Warmfahren: Herbst-Tipps von der Expertin für Motorradreifen
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Die Basis für sicheres Fahren und guten Grip: Vor jeder längeren Tour Profiltiefe und Reifendruck prüfen.
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Reifen warmfahren? Moderne Tourenreifen entwickeln dank hohem Silica-Anteil schon bei kühlen Temperaturen schnell gute Haftung; sportliche Bereifung mit höherem Carbon-Black-Anteil verlangt mehr Aufmerksamkeit und Vorsicht auf herbstlichen Straßenverhältnissen.
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Rutschgefahr? Bei Laub, Schmutz und ersten Schneeflocken gilt: größeren Abstand halten, früher bremsen, saubere Spur wählen, ruhig und aufrecht darüberfahren
Warme Sonnenstrahlen statt brütender Hitze, bunte Farben und einige Resturlaubstage: Zeit, die Saison abzuschließen. Doch morgens kann es schon empfindlich kühl sein, die Straße ist kalt, in den Tälern trocknet der Asphalt nicht mehr vollständig ab, und Blätter kleben feucht auf der Fahrbahn. Wie mit Gefühl und dem richtigen Reifen Herbsttouren ein Genuss bleiben, erklärt Sabrina Sabel, Produkttechnikerin für Motorradreifen bei Michelin und passionierte Rennfahrerin.
Entscheidend für die Haftung: Druck, Profil und Mischung
Der Herbst fordert fahrerisches Feintuning – aber auch den Reifen selbst: Mischung und Profil übernehmen einen Großteil der Arbeit, wenn Temperatur und Straßenverhältnisse wechseln. Doch nur ein Reifen in einwandfreiem Zustand kann Stabilität und Grip bieten. Daher ist die regelmäßige Kontrolle des Reifendrucks die erste Empfehlung von Expertin Sabel: „Vor jeder längeren Tour, und immer nach Herstellerangabe“. Und auch ein Blick auf die Profiltiefe ist Pflicht.
Muss ich den Reifen warmfahren?
Die meisten aktuellen Tourenreifen funktionieren auch bei kühlen Herbsttemperaturen zuverlässig im normalen Fahrbetrieb. Notwendig ist ein aktives Warmfahren also nicht. Der Grund liegt in der Mischung: Ein hoher Silica-Anteil unterstützt gerade bei kühlerer Witterung einen schnellen Aufbau von Grip und sorgt für eine gute Haftung bereits bei niedrigen Betriebstemperaturen.
Nach dem Start fahre ich zunächst einige Kilometer moderat, um dem Reifen die Möglichkeit zu geben, sich unter normalen Fahrbedingungen gleichmäßig zu erwärmen. Durch kontrolliertes Bremsen und Beschleunigen auf gerader Strecke und bei aufrechtem Motorrad lassen sich die auftretenden Kräfte und der Schlupf gezielt nutzen, um den Reifen gleichmäßig auf Betriebstemperatur zu bringen.
Kaltgriff: Was Silica im Gummi bewirkt
Die Fähigkeit, auch bei niedrigeren Temperaturen ausreichend Halt zu bieten, nennt man Kaltgriff – und die verdankt der Reifen seiner Gummimischung. Silica kann im Zusammenspiel mit weiteren Bestandteilen die Eigenschaften der Gummimischung so beeinflussen, dass der Reifen auch bei niedrigen Temperaturen gute Haftung entwickelt und gleichzeitig die Nasshaftung verbessert.
Im Gegensatz zu Tourenreifen haben Sportreifen häufig einen geringeren Silica-Anteil in der Gummimischung. Wer also mit seiner sportlich bereiften Maschine an kühlen Herbsttagen eine Alpenrunde plant, sollte sich Zeit lassen und ein besonderes Augenmerk auf Grip und Straßenverhältnisse legen.
Nasse Straße? Wasserverdrängung mit Profil
Das Reifenprofil eines Straßenreifens mit Touring-, Sport-Touring und Adventure-Genen muss eine stabile Wasserverdrängung gewährleisten und verhindern, dass sich zwischen Reifen und Fahrbahn ein Wasserkeil bildet. Wenn die Rillen genug Wasser aufnehmen und schnell genug nach außen ableiten können, behält der Reifen den Kontakt zum Asphalt und schwimmt nicht auf dem Wasserfilm (Aquaplaning).
Beim MICHELIN Road 6 übernimmt diese Aufgabe die Water-Evergrip-Technologie: Die Lamellen im Profil sind trichterförmig geformt – schmal an der Oberfläche, breiter in der Tiefe. Nutzt sich der Reifen ab, öffnen sich diese Trichter mit zunehmendem Verschleiß weiter und schaffen einen gleichbleibend großen Kanal, um Wasser zur Seite abzuführen. Das unterstützt die Wasserableitung, auch wenn der Reifen nicht mehr neu ist.
M+S: Was gilt bei Matsch und Schnee?
Reifen mit der M+S Kennung sind keine klassischen Winterreifen, wie wir sie für Autos oder Lkw kennen. Die Kennzeichnung sagt aber, dass ein Reifen für Matsch- und Schneebedingungen ausgelegt ist – etwa auf einer Passhöhe, wo im Herbst schon die ersten Flocken liegen bleiben. Ein großes Negativprofil mit schaufelförmigen Rillen, wie beim MICHELIN Anakee Adventure 2, verdrängt Matsch und Nässe aktiv – hinten in Antriebsrichtung, vorne gegenläufig für mehr Rückmeldung beim Bremsen und Einlenken. Auch hier sorgen Silica-Anteil und die 2CT-Bauweise für Grip bei Nässe und einen runden Reifen über die Laufleistung.
Welcher Reifen passt, hängt vom Motorrad, den Strecken und natürlich von den Vorlieben des Fahrers oder der Fahrerin ab.
Aus dem Nähkästchen der
Expertin:
„Auf nasser, kalter Fahrbahn helfen Abstand und ein früherer Bremspunkt. Bei schmutzigem Asphalt oder Matsch wähle ich eine sichtbar saubere, gleichmäßige Spur – zum Beispiel die, die die Räder der Autos hinterlassen. Wenn ich feuchtes Laub, Splitt und glänzende Bitumenstreifen sehe, fahre ich möglichst aufrecht, ruhig und ohne starke Brems- oder Lenkimpulse über die rutschige Partie. Geht mir einmal der Hinterreifen weg, fühlen sich ein paar Zentimeter an wie ein halber Meter. Gerade deshalb sollte man hektische Reaktionen vermeiden.“
Reifen richtig einlagern
Wer sein Motorrad im Winter stilllegt, sollte auf den Reifendruck achten und das Motorrad immer wieder einige Zentimeter verschieben; für längere Standzeiten kann der Reifendruck etwas über den normalen Fahrdruck erhöht werden. So lassen sich Standschäden vermeiden. Reifen mögen es kühl, trocken und gut belüftet, ohne direkte Sonne, UV-Licht. Insbesondere Sportreifen sollten nicht bei Temperaturen um den Gefrierpunkt oder darunter im Schuppen gelagert werden – aber auch nicht direkter Wärme ausgesetzt sein, wie beispielsweise neben dem Heizkörper in der Werkstatt. Vermeiden sollte man den Kontakt mit Benzin, Lösungsmitteln oder Chemikalien. Ausgebaute Reifen stehen vertikal mit Bodenabstand und werden monatlich leicht gedreht; montierte Reifen bleiben aufgepumpt, vertikal und einlagig im Regal. Auch hier empfiehlt sich, während der Standzeit die Reifen zu drehen.