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Michelin vernetzt bis 2023 alle seine Pkw-Reifen
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Michelin vernetzt bis 2023 alle seine Pkw-Reifen

Frankfurt, 10. Dezember 2020

  • Bereits in 2020 Auslieferung von bis zu 1,5 Millionen mit RFID ausgerüsteten Autoreifen
  • Kosteneffiziente RFID-Vernetzung: Zeitersparnis für Autofahrer, Werkstätten und Handel
  • RFID-Chips aus Deutschland: Bis zu 15 Millionen Chips für Neureifen pro Jahr
  • Michelin erhält den ‚Journey to Automation Award 2020‘ in der Kategorie ‚Reifenhersteller – Produzent‘ für das Vo­rantreiben von RFID-Technologie

 

RFID zur Verbesserung des Fahrerlebnisses

Das Aufleuchten der Tankanzeige gibt dem Fahrer den sofortigen Hinweis, dass er Sprit nachfüllen muss. Doch welche Technologie meldet eigentlich, in welchem Zustand sich der Autoreifen befindet? Die Lösung hierfür ist ein im Reifen einvulkanisierter RFID-Chip (Ra­dio Frequency Identification).

Doch die Integration von RFID-Technologie in Reifen kann noch weitaus mehr. Durch das Verbauen von RFID-Chips produziert Michelin Reifen, die quasi miteinander „kommunizieren“, indem sie mit dem globalen Ökosystem verbunden werden. Dies schafft ein weitreichendes Potenzial für Innovationen und einen signifikanten Mehrwert für Kunden. Insbesondere ermöglicht diese Technologie ein verbessertes Reifenmanagement über seine gesamte Lebens­dauer betrachtet, angefangen ab Werk bis zum Ende des Reifenle­bens, und signalisiert den im Auto verbauten Wartungssystemen frühzeitig den Zustand des Autoreifens. Folglich profitiert der Auto­fahrer von einem besseren Fahrerlebnis. Auch in der Erstausrüstung eröffnet der RFID-Einsatz viele neue Möglichkeiten.

Wir arbeiten derzeit mit Automobilherstellern an der Entwicklung von Algorithmen. Da die RFID-Technik diese genaue Reifenidentifikation sicherstellt, ist es zukünftig vorstellbar, dass Au­tofahrer neben ihrer Tankanzeige eine Reifen-Zustandsanzeige se­hen.

Michael Ewert, Vice President Global Sales Original Equipment bei Michelin
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RFID zur Verbesserung der Fahrsicherheit

Diese Zustandsüberwachung wird insbesondere bei zuneh­mend automatisiert fahrenden Fahrzeugen immer wichtiger werden. Bis 2023 wird Michelin jeden neuen Pkw-Reifen mit der Vernetzungs­technik ausstatten. Bereits seit Mitte 2019 liefert Michelin Teile seiner Pkw-Pneus mit Chips aus. Der Vorteil der RFID-Technologie liegt darin, dass sie eine relativ kostengünstige Möglichkeit zur Identifizie­rung von Reifen während ihrer gesamten Lebensdauer darstellt und im Vergleich zu vielen anderen intelligenten Sensoren sehr robust ist.

„Vernetzte Reifen machen viele neue Geschäftsmodelle möglich und können zudem die Sicherheit beim Autofahren nochmals steigern“, sagt Ewert. Dank der genauen Reifenidentifikation ermöglichen RFID-Chips beispielsweise zukünftig dem ESP-System, sich der je­weiligen Reifencharakteristik anzupassen. Konkret heißt das: Ein Winterreifen besitzt andere Bremseigenschaften als ein Sommerrei­fen – diese Charakteristiken können somit Einfluss auf das Fahras­sistenzsystem haben, das durch gezieltes Bremsen ein Schleudern des Fahrzeugs zu verhindern versucht und so die Kontrolle über das Fahrzeug sichert. „Diese Feinsteuerung von Fahrsicherheitssyste­men, die mithilfe der genauen Reifenidentifikation durch den RFID-Chip möglich ist, wird insbesondere auch für das automatisierte Fah­ren wichtig sein,“ so Ewert.

RFID vereinfacht die Betrachtung eines Reifenlebenszyklus

Mithilfe des RFID-Chips können Informationen zur Lebensdauer des Reifens und Bestandteile zu verschiedenen Rohstoffen, aus denen der Reifen hergestellt wurde, ermittelt werden. Durch den Abgleich der Informationen können Recycling-Prozesse optimiert werden, da beispielsweise Reifen mit ähnlichen Gummimischungen leichter iden­tifiziert werden können.

RFID-Boom: Vom deutschen Fabrikstandort Homburg in die Welt

Die in den MICHELIN Reifen eingesetzte RFID-Technologie kommt aus Deutschland: Die Kapazität an Ummantelungen von RFID-Chips mit einer Gummischicht beträgt am Standort in Homburg auf das Jahr gesehen bis zu 15.000.000 RFID-Chips. Die RFID-Chips wer­den anschließend direkt im Werk in die Neureifen verbaut oder an weitere Michelin Fabriken in Europa oder ins kontinentübergreifende Ausland an die Michelin Standorte in Brasilien, China, Kanada und Thailand geliefert. Die Nachfrage nach vernetzten Reifen im Markt steigt stetig, daher hat Michelin seit November eine weitere RFID-Anlage in seinem Werk im Saarland in Betrieb genommen.

RFID-Vernetzung bringt Vorteile für Händler und Werkstätten

Ein Vorteil der RFID-Technik in der Werkstatt ist die Vermeidung der Fehlmontage beim Reifenwechsel, da jeder Chip seine individuelle Kennung trägt. Dank der Reifenidentifikation mithilfe des RFID-Chips kann die korrekte Reifendimension über die Fahrzeugelektronik an den Board-Computer übermittelt werden. Im Falle einer Fehlmontage zeigt der Board-Computer eine entsprechende Warnung an. Somit spart der Monteur Zeit, denn er bekommt beim Auslesen des RFID-Chips die Reifendaten direkt über den Screen des RFID-Lesegeräts angezeigt und muss diese nicht per Hand und Auge checken. Schließlich können Lagerbestände durch das schnelle Auslesen der Reifendaten effizienter kontrolliert und der Bedarf an Neureifen somit einfacher angepasst werden.

Reifen mit Chip: Auch in vielen Lkw

Autohersteller profitieren von der einfacheren Auslesbarkeit der Rei­fendaten. Mithilfe eines Transponders lassen sich Fehler im Produk­tionsprozess nachverfolgen, wie etwa eine falsche Rad-Reifen-Kombination, und in Echtzeit Produktionszahlen und Lagerbestände abgleichen. Als erstes Unternehmen hat ein europäischer Fahrzeug­hersteller bei Michelin Pkw-Reifen mit RFID-Chip für die Erstausrüs­tung geordert.

Was nun im Pkw-Geschäft startet, ist in der Lkw-Branche schon län­ger Realität. Insbesondere in der Logistikbranche hat die RFID-Technik sich als perfektes Tool zur Überprüfung des Warenflusses und zum effektiven Reifenmanagement etabliert. Michelin stattet schon heute bis zu 90 Prozent aller verkauften Lkw-Reifen mit Transpondern aus und wird analog zum Pkw-Segment bis 2023 alle Lkw-Reifen mit RFID-Chip versehen. In der Logistik kann die RFID-Technologie eingesetzt werden, um die Überprüfung von La­dungschargen aus den Logistiklagern von Michelin, den Lagern der Händler oder der Fahrzeughersteller wesentlich schneller durchzu­führen. So kann eine häufig gewünschte sortenreine Lieferung si­chergestellt werden. Auch mögliche Reklamationen und ein transpa­rentes Bestandsmanagement können mittels RFID besser verfolgt werden.

RFID in Reifen ausgezeichnet beim ‚Journey to Automation A­ward 2020‘

Das engagiertes Wirken von Michelin bei der Integration der RFID-Technologie in der Reifenindustrie wurde im Rahmen der „Journey to Automation Award 2020"-Verleihung des European Rubber Jour­nal kürzlich zudem hervorgehoben. Hier erhielt der Reifenhersteller in der Kategorie ‚Reifenhersteller – Produzent‘ eine Auszeichnung, die seine Innovationsfähigkeit und wichtige Rolle bei der digitalen Transformation in der Reifenbranche unterstreicht.